Versicherungsbetriebslehre

Die Versicherungsbetriebslehre beschäftigt sich mit dem Wirtschaften in einem Versicherungskonzern. Sie stellt einen Teil der wissenschaftlichen Betrachtung eines Versicherungsunternehmens dar. Wirtschaften bedeutet speziell hier: Knappe Güter (Arbeitsleistung etc.) werden eingesetzt, um neue Güter wie beispielsweise Versicherungsschutz, Schadensmanagement oder Kapitalanlagen zu erwirtschaften.
Viele allgemein gültige Erkenntnisse der Betriebswirtschaftslehre können auf die Versicherungswirtschaft relativ einfach übertragen werden, es gibt aber Entwicklungen und Besonderheiten wie z.B. im Rechnungswesen, in dem statistische Berechnungen von zufallsabhängigen Schadenkosten oder Betriebskosten zur strategischen Planung im Versicherungsunternehmen herangeholt werden.

Bereiche der Versicherungsbetriebslehre:

Der nicht versicherungstechnische Bereich der Versicherungsbetriebslehre deckt die klassischen betriebswirtschaftlichen Vorgänge im Versicherungsunternehmen ab, indem nur die klar definierten und immer wieder reproduzierbaren Vorgänge berücksichtigt werden. Ex- und interne Rechnungslegung, Finanzplanungen aber auch das Provisionssystems des Außendienstes gehören dazu. Der versicherungstechnische Bereich befaßt sich mit den versicherungstechnischen Vorgängen im Versicherungsunternehmen und wendet statistisch mathematische Kalkulationshilfen an. Prämienkalkulationen bei Erst- und Rückversicherern, Berechnungen der Höhe von Sicherheitsmitteln und Risikoforschung sind hier zu erwähnen.

Die Versicherungsbetriebslehre unterliegt fünf verschiedenen Konzepten, die unterschiedlich je nach Blickwinkel und Unternehmensschwerpunkten einzeln betrachtet oder kombiniert werden können:
Die entscheidungsorientierte Versicherungsbetriebslehre setzt sich zum Ziel, die richtigen Maßnahmen zu definieren, um über die Gesamtheit von Entscheidungen die angestrebten Unternehmensergebnisse zu erreichen. Marktkenntnisse über das Entscheidungsumfeld, Kenntnisse von Gesetzmäßigkeiten und Prognosen sowie psychologische und soziologische Ansätze sind erforderlich, um Entscheidungen im Unternehmen voranzutreiben.

Die güterwirtschaftliche Versicherungsbetriebslehre beschreibt im Wesentlichen die Produktion des Versicherungsschutzes.
Einsatzgüter als Produktionsfaktoren werden miteinander kombiniert, um Ausbringungsgüter zu erhalten. (Arbeitsleistung, Rückversicherung und Büronutzung werden kombiniert, um Versicherungsschutz oder ein Kapitalanlageprodukt zu erhalten.) Mengenmäßige Beziehungen zwischen In- und Output werden produktionstheoretisch erfasst und kostentheoretisch mit Hilfe von Geldeinheiten bewertet.

Die funktionale Versicherungsbetriebslehre unterteilt das Wirtschaften in einem Versicherungsunternehmen in verschiedene ineinandergreifende Teilbereiche, die einzeln betrachtet besser betriebswirtschaftlich analysiert werden können und später in einer verbundenen Betrachtungsweise eine optimierte Koordination von Teilaufgaben ermöglicht. Die Teilbereiche sind im Wesentlichen: Beschaffung von Produktionsfaktoren, Leistungserstellung, Absatz, Finanzierung, Marketing, Organisation, Controlling und Risikomanagement.

Dienstleistungsunternehmen, insbesondere Versicherungskonzerne unterliegen der betriebswirtschaftlichen Eigenart „Absatz vor Produktion“. Die Leistung des Versicherers muss erst am Markt abgesetzt werden, d.h. der Versicherungsantrag wurde vom Versicherungsnehmer

unterschrieben, erst danach kann die Leistung also der Versicherungsschutz endgültig durch den Versicherer erbracht werden.
Der Versicherungsschutz für den Einzelnen entsteht mit der Policierung des Versicherungsvertrages, kann aber nur ökonomisch kalkuliert werden, wenn viele einzelne Verträge zu einem Kollektiv (Versichertengemeinschaft) zusammengezogen werden. Der individuelle Leistungsbedarf durch Schaden kann nur in der Masse ausgeglichen werden.

Die sozialwissenschaftliche Versicherungsbetriebslehre beschäftigt sich mit den Bedürfnissen der Menschen, die sowohl im Innen- als auch im Außenverhältnis in einer Beziehung zum Versicherungsunternehmen stehen. Relevant sind Risikoverhalten und Nachfrageverhalten einzelner Kunden oder auch Gruppierungen. Aspekte der Personalwirtschaft innerhalb des Versicherungsunternehmens werden hierbei genauso betrachtet wie die Verbindung zu Lieferanten oder Geschäftspartnern.

Die finanztheoretische Versicherungsbetriebslehre beschreibt das Versicherungsgeschäft als eine Beziehungsstruktur basierend auf den Geldströmen zwischen den Versicherungsunternehmen, den Versicherungsnehmern und den Kapitalanlagekunden (Aktionären), für die das Investment im Vordergrund steht.

Zum einen also die Preisgestaltung für den Versicherungsschutz, die das Abschlussverhalten bei Versicherungsanträgen beeinflusst, zum anderen den Wert des Versicherungsunternehmens als Investitionsobjekt für den Kapitalanleger.
Es gibt weitere theoretische Ansätze im Bereich der Versicherungsbetriebslehre, wobei die genetische Versicherungsbetriebslehre noch erwähnenswert ist.

Hier reflektiert man auf die Entwicklungsgeschichte eines Versicherungsunternehmens. Historische Tatbestände wie Gründung, Wachstum, Fusion, Krisenbewältigung, Sanierung und auch die Liquidation werden berücksichtigt.

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