Neuer AXA-Tarif ActiveMe zum PKV-Tarifwechsel geeignet?

ActiveMe ist ein unisex-Tarif

Logischerweise ist der neue AXA-Tarif ActiveMe ein unisex-Tarif. Neue Tarife der privaten Krankenversicherung dürfen nur noch geschlechtsunabhängig kalkuliert werden. Neue bisex-Tarife der PKV mit geschlechtsabhängiger Kalkulation dürfen bei der geltenden Rechtslage nicht mehr aufgelegt werden. Insofern ist der Tarif ActiveMe nur bedingt für die PKV-Tarifoptimierung mit dem Tarifwechsel § 204 VVG zu gebrauchen, geht doch mit dem Wechsel von einem bisex-Tarif in einen unisex-Tarif das Wechselrecht in den Standardtarif STN und das Wechselrecht in bisex-Tarife verloren. hc consulting wird den neuen unisex-Tarif ActiveMe dennoch als Option beim Tarifwechsel durch unser Tarif-Monitoring berücksichtigen, denn in der Zukunft wird das Argument „Verlust Standardtarif“ wohlmöglich durch andere Vorteile aufgewogen.

Im Vergleich der AXA-Tarife liegt der neue ActiveMe-U-Tarif zwischen dem Vital-U und dem EL-Bonus-U, aufgepeppt durch Zuschüsse zur Gesundheitsvorsorge und einer erweiterten App-Nutzung mit dem Trend vom reinen Kostenerstatter zum ganzheitlichen Gesundheitsdienstleister. Diesen richtigen Weg hat die AXA bereits vor Jahrzehnten mit der Einführung des Primärarztmodells im Elementar-Tarif und der Berücksichtigung des persönlichen Gesundheitsverhaltens in der Prämie beim Tarif Vital eingeleitet.

ActiveMe im Überblick: Hausarztklausel, Generikaklausel, SB 20 % max. 500 EURO p.a., Zweibettzimmer mit Chefarzt, GOÄ/GOZ 3,5 oder stationär größer, Zahntarif nach Wunsch.

Ein kleines Detail in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) der AXA lässt aufhorchen und bringt Hoffnung für die von Beitragsanpassungen gebeutelten PKV-Versicherten. § 8 (3) der AVB sagt:

„Beitragsanpassung: Im Rahmen der vertraglichen Leistungszusage können sich die Leistungen des Versicherers z. B. wegen steigender Heilbehandlungskosten, einer häufigeren Inanspruchnahme medizinischer Leistungen oder aufgrund steigender Lebenserwartung ändern. Dementsprechend vergleicht der Versicherer zumindest jährlich für jeden Tarif die erforderlichen mit den in den technischen Berechnungsgrundlagen kalkulierten Versicherungsleistungen und Sterbewahrscheinlichkeiten. Ergibt diese Gegenüberstellung für eine Beobachtungseinheit eines Tarifs eine Abweichung von mehr als 3 % in Bezug auf die Versicherungsleistungen oder von mehr als 5 % in Bezug auf die Sterbewahrscheinlichkeit, werden alle Beiträge dieser Beobachtungseinheit vom Versicherer überprüft und, soweit erforderlich, mit Zustimmung des unabhängigen Treuhänders angepasst. Unter den gleichen Voraussetzungen kann auch eine betragsmäßig festgelegte Selbstbeteiligung angepasst und ein vereinbarter Risikozuschlag entsprechend geändert werden. Im Zuge einer Beitragsanpassung werden auch der für die Beitragsgarantie im Standardtarif erforderliche Zuschlag (§ 12 Abs. 2 Nr.1 S. 2 AVB/KGV) sowie der für die Beitragsbegrenzung im Basistarif erforderliche Zuschlag (§ 12 Abs. 3 S. 2 AVB/KGV) mit den jeweils kalkulierten Zuschlägen verglichen und, soweit erforderlich, angepasst“.

Entscheidend ist die neue 3 %-Hürde für die Kostensteigerung bei den Ausgaben, welche dann zur Beitragserhöhung führt. Bisher mussten die Ausgaben um mehr als 5 % oder um mehr als 10 % steigen, um dann eine PKV-Beitragsanpassung auszulösen.

Durch eine einfache Änderung der AVB werden die Kosten im Gesundheitswesen im Allgemeinen und die Ausgaben für Versicherte der AXA-PKV im Speziellen natürlich nicht verringert. Beitragserhöhungen können aber besser verteilt und definitiv erträglicher werden. Sprunghafte Beitragsanpassungen von zum Beispiel 30 % sollten im Tarif ActiveMe somit nicht vorkommen. Es sei denn, die AXA hat die Erstprämien im ActivMe zu günstig ausgestaltet, was aber eigentlich durch die BaFin verhindert werden und auch nicht im Interesse der AXA sein sollte.

PKV vs. GKV

Am Beispiel der Beitragserhöhungen der gesetzlichen Krankenkassen GKV kann man die Bedeutung einer solchen AVB-Änderung deutlich machen. Obwohl die GKV in den letzten 10 Jahren die mehr oder weniger gleichen Beitragssteigerungen wie die in der PKV umsetzen musste, gab es unter den freiwillig GKV-Versicherten auch nicht nur ansatzweise die Panik, die unter vielen privat Versicherten ausgebrochen ist. GKV-Kunden machen sich bei einer schlechteren Zukunftsperspektive und einer ungünstigeren Entwicklung in der Vergangenheit keine Sorgen um die GKV-Beiträge in der Zukunft oder um ihre GKV-Beiträge als Rentner. Ein (objektiver) Grund hierfür könnte der Bundeszuschuss zur GKV sein, diesen Zuschuss erhält die PKV nicht. Da aber kaum ein PKV- oder GKV-Versicherter den Bundeszuschuss zur GKV kennt bzw. versteht, kann die oben beschriebene irrationale Sicht auf Beitragsentwicklungen der KV auch nicht am Bundeszuschuss GKV liegen.

Tatsächlich gibt es eine kleine Gruppe von PKV-Versicherten, die als Rentner in der GKV weniger zahlen würden als in der PKV. Als Faustregel gilt: Wer mindestens 25 Jahre in einer PKV versichert ist (zur ausreichenden Bildung von Altersrückstellungen) und als Rentner über eine überdurchschnittliche Rente verfügt, der zahlt in der PKV geringere Beiträge als in der GKV. Siehe auch: „Die Bundesregierung zu den PKV-Beiträgen im Alter“.

Beitragsanpassungen der AXA

Warum lagen die Beitragserhöhungen der AXA in den letzten Jahren über dem Durchschnitt der gesamten PKV und über den Erhöhungen in der GKV? Zur Erinnerung: In den letzten zehn Jahren wurde die gesetzliche Krankenkasse jedes Jahr um 3,2 % teurer, die privaten Krankenversicherungen „nur“ um 3 %. Ehrlich gesagt haben wir keine Antwort auf diese Frage. Sind die Kosten in der Verwaltung der AXA höher als im Vergleich? Nach unseren Informationen ist das nicht so. Verursachen die AXA-Versicherten Kosten über dem Schnitt? Bei der Größe der AXA scheint das nicht möglich zu sein. Im Vergleich zu andern PKVs war die Risikoprüfung der AXA bei der Aufnahme von Neukunden in der Vergangenheit nicht weniger anspruchsvoll. Ob die Tarifausgestaltung des ActiveMe zu geringeren Kosten in der Zukunft führen wird, bleibt abzuwarten.

Klagen gegen die AXA

Bei den Klagen gegen private Krankenversicherungen zur Frage der Unabhängigkeit des die Beitragserhöhungen prüfenden Treuhänders wurde fast immer nur die AXA genannt. Am Ende hat sich die AXA hier mit Recht durchgesetzt.

Sorge vor der Zukunft für AXA-Versicherte?

Nein. AXA gehört zu den großen Versicherungen und kann langfristig kaum schlechter als andere private Krankenversicherungen performen. Was die Innovationsfähigkeit anbelangt, hat die AXA nach der Einführung von Hausarztmodell und Vital mit ActiveMe wieder einen Schritt in die Zukunft gemacht.

Zeitgeist gegen die private Krankenversicherung

Deutschlands einzigartig gutes Gesundheitssystem besteht historisch begründet aus GKV und PKV. Wer möchte schon dem spanischen, englischen oder US-Gesundheitssystem ausgesetzt sein? Heute weht der privaten Krankenversicherung der Zeitgeist zu Unrecht ins Gesicht. In einigen Jahren werden die Kosten des Gesundheitssystems durch neue Behandlungsmethoden und Medikamente stark in die Höhe gehen, die Lebenserwartung wird bei gleichzeitig besserer Lebensqualität im Alter weiter steigen. Dann wir das PKV-System aus risikogerechter Prämienkalkulation mit Altersrückstellungen seine qualitative und kostenmäßige Überlegenheit unter Querfinanzierung für die GKV-Versicherten ausspielen. Eine Bürgerversicherung existiert jetzt schon in Form der Sozialtarife der PKV (STN, BTN, NLT), alle profitieren von der Innovationskraft der privaten KV.

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